BIO kann die Welt ernähren!

Die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO, geht davon aus, dass bis zum Jahr 2050 rund zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben werden. Damit ist auch mit einer Zunahme von Ernährungsgewohnheiten zu rechnen, die viele Ressourcen wie Wasser, Energie und Land verbrauchen. 

Wie soll die Ernährung für all diese Menschen sichergestellt werden?

Zahlreiche internationale Vertreter/innen aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft sind sich mittlerweile einig, dass die Lösung nicht in einer weiteren Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion liegt, sondern, dass unser Ernährungssystem grundlegend verändert werden muss.

Nur eine nachhaltige Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion kann die globale Ernährung dauerhaft sichern und gleichzeitig Lösungsansätze für enorme Herausforderungen wie der Klima- und der Biodiversitätskrise, dem hohen Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen, der Belastung der Umwelt mit Agrochemikalien, aber auch der zunehmenden Unter- und Fehlernährung und deren gesundheitlichen Folgewirkungen liefern.

Wenn wir 

  • weniger tierische Produkte konsumieren, 
  • weniger Lebensmittel verschwenden und 
  • unsere Nutztiere nicht mehr mit großen Mengen an Kraftfutter wie Getreide füttern, 

dann kann eine weltweite Umstellung auf biologische Landwirtschaft zu einem umfassend nachhaltigen Ernährungssystem und zur globalen Ernährungssicherung beitragen, während die Artenvielfalt erhalten bleibt und unsere Luft und Gewässer vor chemisch-synthetischen Pestiziden geschützt werden.

FAZIT:

Ob Bio die Welt ernähren kann hängt nicht nur von den Erträgen, sondern auch vom Grad des Kraftfuttermittel-Einsatzes, der Lebensmittelverschwendung und dem Konsum tierischer Lebensmittel ab. Nachhaltige Landwirtschaft und eine enkeltaugliche Umwelt SIND absolut möglich, dafür müssen aber auch wir unsere Konsumgewohnheiten ändern und die Politik sich in diese Richtung orientieren. Das wäre der aktuelle Stand der Wissenschaft!

Für alle, die es genauer wissen wollen:

Brauchen wir wirklich weitere Agrarflächen und muss die Produktivität weiter ausgeweitet werden, d.h. brauchen wir noch “intensivere” Landwirtschaft mit ihren Folgen für die Umwelt?

Bis zum Jahr 2050 sollen nach Schätzungen der FAO rund zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben. Um die künftig steigende Nachfrage nach Lebensmitteln zu decken, müssten bei gleichbleibendem Ernährungsmuster Agrarflächen ausgeweitet und/oder ihre Produktivität müsste noch weiter gesteigert werden. Doch da die Ressourcen endlich sind, lässt sich diese Entwicklung nicht uneingeschränkt fortsetzen. Vielmehr müssen wir, um in Zukunft die Ernährung zu sichern, unabhängig vom Bewirtschaftungssystem, unsere Konsumgewohnheiten ändern und einem nachhaltigeren Lebensstil gerecht werden.

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Was sichert die Zukunft der Ernährung wirklich? Die Agrarindustrie oder doch kleinbäuerliche (Familien)betriebe?

Vor mittlerweile über zehn Jahren hat der Weltagrarrat im Rahmen des Weltagrarberichts, der initiiert von Weltbank und Vereinten Nationen, von über 400 Expert/innen aller Kontinente und Fachrichtungen erarbeitet wurde, seine Kernbotschaft verkündet: Die Art und Weise, wie die Welt Nahrungsmittel produziert, müsse sich radikal ändern, da nur dadurch Armut und Hunger besiegt werden können, eine wachsende Weltbevölkerung in Zeiten des Klimawandels ernährt und der soziale und ökologische Kollaps vermieden werden könne.

Die Expert/innen sehen in kleinbäuerlichen, arbeitsintensiven und auf Vielfalt ausgerichteten Strukturen eine wichtige Basis für eine sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Lebensmittelversorgung.

Denn es sind nicht primär die großen Unternehmen der industrialisierten Landwirtschaft, die die Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln versorgen, sondern vor allem Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Über 80 % der Bauernhöfe weltweit sind kleiner als zwei Hektar, Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bewirtschaften mehr als die Hälfte der globalen Anbauflächen. Die meisten dieser Betriebe befinden sich in Asien und Afrika. Sie sichern die lokale und regionale Versorgung. Allerdings arbeiten viele von ihnen bislang nicht sehr produktiv. Hier sieht der Weltagrarbericht noch großes Potential:
Investitionen in die kleinbäuerliche Produktion wird als besonders vielversprechendes Mittel genannt, um Hunger und Fehlernährung zu bekämpfen und zugleich negative ökologische Auswirkungen der Landwirtschaft zu minimieren. Verbesserte Anbaumethoden, lokal vorhandene und angepasste Technologien, standortangepasstes Saatgut und eine Vielzahl agrarökologischer Strategien bergen ein gewaltiges Produktivitäts- und Nachhaltigkeitspotenzial. Sie stellen zudem am ehesten sicher, dass zusätzlich produzierte Lebensmittel tatsächlich dort zur Verfügung stehen, wo sie gebraucht werden. Wenn diese kleinbäuerlichen Familienbetriebe mehr ernten, besser vermarkten und verkaufen können, verringert das nicht nur die Armut in ländlichen Regionen, sondern es kommen insgesamt mehr und vielfältigere Lebensmittel auf den Markt – ein wichtiger Schritt zur Sicherung der Welternährung.

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Die Zukunft der Gesundheit – Hunger oder Übergewicht?

Wenn sich die derzeitigen Ernährungstrends fortsetzen, werden Unter- und Überernährung die menschliche Gesundheit weltweit stark belasten, während Lebensmittelverschwendung und die Belastung der Umwelt weiter zunehmen. Das ist die Prognose einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Die Wissenschaftler/innen betonen, dass vorausgesetzt die Ernährungsweise hält weiter an, wir das Ziel der Vereinten Nationen, den Hunger weltweit zu besiegen, nicht erreichen werden. Gleichzeitig könnten im Jahr 2050 schon mehr als 4 Milliarden Menschen übergewichtig sein. Neben gesundheitlichen Folgen hat dieser Trend, gekoppelt mit der zunehmenden Verschwendung von Nahrungsmitteln und dem steigenden Konsum von tierischem Eiweiß, auch massive negative Auswirkungen auf Klima und Umwelt. Also auch hier: Weniger tierisches Eiweiß und eine abwechslungsreiche biologische pflanzliche Kost wäre anzuraten.

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Wie sieht es mit den Auswirkungen der weltweiten Landwirtschaft auf das Klima aus?

Bereits jetzt bedecken Acker- und Weideland rund ein Drittel der globalen Landfläche und unser Ernährungssystem ist für rund ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Wenn die aktuellen Trends anhalten, wird laut Analyse der Wissenschaftler/innen die weltweite Nachfrage nach Nahrungsmitteln, und besonders nach tierischen Produkten wie Fleisch und Milch weiter steigen. Dies würde immer mehr Land zur Sicherung unserer Ernährung erfordern. Auch hier gilt ganz klar – weniger tierisches statt mehr Pestizide und Kunstdünger auf den Flächen, um die Produktivität noch zu steigern!

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Wie können wir also unsere Ernährung UND eine enkeltaugliche Umwelt sichern?

In einer umfangreichen Studie haben Wissenschaftler/innen des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) analysiert, dass, um den weltweiten Kalorienbedarf im Jahr 2050 stillen zu können, bei gleichbleibenden Konsum- und Ernährungsgewohnheiten (hoher Konsum tierischer Lebensmittel, große Mengen an Lebensmittelabfällen/Lebensmittelverschwendung) auf jeden Fall mehr Land benötigt wird – unabhängig davon, ob die Flächen konventionell oder biologisch bewirtschaftet werden. Dazu kommt, dass durch den Klimawandel und den damit verbundenen extremen Wettereignisse wie Starkregen und Dürreperioden zukünftig nicht einfach von weiteren Ertragssteigerungen ausgegangen werden kann. Das heißt, es müsste zusätzlich Land gewonnen werden durch Rodung von (Regen)Wäldern bzw. durch Umwandlung von Grasland – mit all den bekannten negativen Auswirkungen auf Umwelt und Klima.

Eine Steigerung der Produktion ist langfristig keine Lösung, da diese bereits stark optimiert und ausgereizt ist. Die Wissenschaftler/innen betonen, dass daher an anderen Hebeln angesetzt werden muss und dafür nicht nur die Produktion, sondern auch der Konsum berücksichtigt werden muss. Und sie kommen zu dem Schluss, dass eine weltweite Umstellung auf biologische Landwirtschaft zu einem umfassend nachhaltigen Ernährungssystem beitragen kann, sofern sie mit weiteren Maßnahmen kombiniert wird.

FASSEN WIR DIE LÖSUNGEN NOCHMAL ZUSAMMEN:

DIE LÖSUNG: Weniger tierische Produkte statt mehr Pestizide

Der Konsum tierischer Lebensmittel steigt kontinuierlich an. Die derzeitige Fleischproduktion liegt weltweit bereits bei rund 330 Millionen Tonnen pro Jahr und soll laut Prognosen bis 2050 auf rund 450 Millionen Tonnen jährlich weiter steigen.

Die Produktion tierischer Lebensmittel verbraucht besonders viele Ressourcen wie Energie, Wasser, Boden usw. und verursacht den Großteil der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen. Für den ständig steigenden Fleischkonsum wird immer mehr Ackerland benötigt, um Futter für Tiere statt Essen für Menschen zu produzieren.

Rund zwei Drittel der für die Herstellung tierischer Nahrungsmittel benötigten Flächen sind Weiden, die durch die Tiere effizient genutzt werden. Doch das restliche Drittel ist Ackerland, das durch den Anbau von Feldfrüchten viel besser zur globalen Ernährung beitragen könnte. Vom weltweit geernteten Getreide wird mittlerweile mehr als die Hälfte an Tiere verfüttert und in Autos getankt. Auch von der Sojaernte landet der Großteil in den Futtertrögen der landwirtschaftlichen Nutztiere. Jedes Jahr wird die Ackerfläche für den Futtermittelanbau größer. Rund Dreiviertel des weltweiten Agrarfläche wird zur Herstellung tierischer Lebensmittel benötigt. Die Nutztiere werden dadurch immer mehr zum Nahrungskonkurrenten von uns Menschen. Daher geht es neben einer Reduktion des Konsums tierischer Lebensmittel auch um eine grundlegende Veränderung was die Fütterung der Nutztiere betrifft.

Im Rahmen einer Masterarbeit wurde berechnet, dass bei einer Reduktion des weltweiten Fleischverzehrs um 50 %, von derzeit durchschnittlich 40 kg pro Kopf und Jahr auf 20 kg, jährlich pro Person 62 kg Getreide und Eiweißfrüchte zusätzlich zur Verfügung stehen würden. Durch eine Reduzierung des jährlichen Fleischkonsums auf 32,5 kg (Schlachtgewicht, inkl. Knochen und Sehnen) – in etwa jene Menge, die laut Ernährungswissenschaftler/innen nicht überschritten werden sollte – wären es 23 kg Getreide zusätzlich. In diesen Berechnungen wird der, durch den geringeren Fleischkonsum steigende Verzehr an pflanzlichen Lebensmitteln bereits berücksichtigt. Die Berechnungen zeigen auch, dass bei einer Halbierung des weltweiten Fleischkonsums und gleichzeitiger globaler Umstellung auf biologische Landwirtschaft die weltweite Ernährungssicherung in ausreichendem Maße gesichert wäre.

Grundsätzlich gilt: Fleisch in Maßen statt in Massen ist die beste Voraussetzung dafür, um eine artgemäße, ökologische und ethisch vertretbare Tierhaltung realisieren zu können, die hohe Qualität tierischer Produkte zu garantieren, Umweltschäden zu reduzieren und unsere Gesundheit zu fördern.

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DIE LÖSUNG: Kein Kraftfutter in der Nutztierhaltung (“Feed no Food”)

Bei der Umwandlung von pflanzlichem Futter-Protein in tierisches Protein entstehen erhebliche Veredelungsverluste. Zur Produktion einer tierischen Kalorie werden je nach Tierart bis zu 10 pflanzliche Kalorien verfüttert. Beim Fleischkonsum gilt es daher auf Klasse statt Masse zu achten.

Die Studienautor/innen betonen, dass Nutztiere kein Futter mehr bekommen sollten, das dem Menschen als Nahrung dienen könnte. Weizen und Soja würden dann direkt gegessen und nicht zuvor an Tiere verfüttert und zu Fleisch veredelt werden. Statt hohen Kraftfuttergaben sollen Tiere Gras (Wiederkäuer) und Abfallprodukte der Lebensmittelproduktion (Schweine und Geflügel) fressen. Die Vorteile kraftfutterfreier graslandbasierter Nutztierfütterung liegen darin, dass Grasland, das nicht für den Anbau von Ackerkulturen geeignet ist, von Wiederkäuern beweidet wird und die auf diese Weise produzierten tierischen Produkte zur Ernährungssicherung beitragen, ohne in Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion zu stehen.

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DIE LÖSUNG: Weniger Lebensmittelverschwendung statt mehr Kunstdünger

Bereits im Jahr 2011 präsentierte die FAO Zahlen, die aufhorchen ließen: Laut Schätzungen wurden weltweit rund 1,3 Milliarden Tonnen bzw. ein Drittel aller produzierten Lebensmittel pro Jahr weggeworfen bzw. gingen entlang der Wertschöpfungskette verloren (Allerdings wurden in dieser Schätzung aufgrund fehlender Daten vor allem die Lebensmittelverluste in privaten Haushalten außerhalb Europas und Nordamerikas wahrscheinlich noch unterschätzt). Seitdem wuchs die Sensibilisierung für dieses Thema, geändert hat sich allerdings wenig.

Diese Millionen Tonnen an produzierten und nicht konsumierten Nahrungsmitteln könnten einen ganz wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung des Welthungers leisten. Zudem verbraucht ihr Anbau große Mengen an unterschiedlichsten Ressourcen: Boden, Wasser, Düngemittel, Pestizide. Ihre Produktion ist mit hohen Treibhausgasemissionen verbunden – laut Schätzungen entstehen rund 10 % der globalen Treibhausgasemissionen durch die Produktion von Lebensmitteln, die letztendlich nicht gegessen werden – und belastet die Umwelt. Diese Lebensmittelverschwendung hat natürlich auch enorme ökonomische Auswirkungen. Und all der Aufwand nur, um dann auf dem Müll zu landen …

Die Gründe für Lebensmittelverluste und –verschwendung sind unterschiedlich: Sie liegen unter anderem in der mangelnden Abstimmung entlang der einzelnen Produktions-, Verarbeitungs- und Handelsstufen und in unseren Konsumgewohnheiten (falsche Einschätzung des Mindesthaltbarkeitsdatums, Einkauf von Aktionsangeboten in zu großen Mengen, erhöhte optische und qualitative Ansprüche an Lebensmittel, fehlende Einkaufsplanung, falsche Lagerung, …), aber auch aufgrund mangelnder Erntetechnik und ungeeigneter Lager- und Transportbedingungen (vor allem in Ländern des globalen Südens) gehen Lebensmittel verloren.

Fazit der Studienautor/innen: Weniger Lebensmittelverschwendung würde einen wichtigen Beitrag zur weltweiten Ernährungssicherung beitragen und bis zu 30 % mehr Kalorien bringen. Würden Lebensmittelverluste und
-verschwendung reduziert, könnten somit die freiwerdenden Flächen dafür genutzt werden, einen großen Teil der Ertragslücke auszugleichen.

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So wäre die Ernährung der Weltbevölkerung auch bei 10 Milliarden im Jahr 2050 gesichert, der Landverbrauch würde nicht zunehmen und die mit dem heutigen intensiven Ernährungssystem verbundenen negativen Auswirkungen, wie hohe Treibhausgasemissionen, Stickstoffüberschüsse oder hohe Pestizidbelastung, würden stark reduziert werden. Die Studie kommt zu dem Ergebnis: eine komplette Umstellung auf Bio wäre – trotz der häufig geringeren Ernteerträge in der biologischen Landwirtschaft - möglich.

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Der Artikel wurde in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für Biologische Landwirtschaft in Österreich – FiBL erstellt)

Verwendete Literatur

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https://www.youtube.com/watch?v=z4daLqmureU (abgerufen am 25.03.2021)

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